Röteln beim Baby und Kind

Bei den Röteln handelt es sich um eine Infektionskrankheit, die typischerweise im Kindesalter auftritt und durch das Rötelnvirus verursacht wird. Röteln werden auch als Rubella oder Rubeola bezeichnet. Sie kommen auf der ganzen Welt vor. Bei bis zu 90 Prozent der Erkrankungen sind Kinder betroffen. Der Altersgipfel lag vor Einführung der Schutzimpfung bei fünf bis neun Jahren. Heute sind hauptsächlich Jugendliche und junge Erwachsene betroffen, die im Säuglingsalter nicht geimpft wurden. Das Rötelnvirus wird durch direkten Kontakt oder durch Tröpfchen übertragen, die sich im Speichel oder in der Atemluft befinden. Ein weiterer Übertragungsweg ist die sogenannte vertikale Infektion von der erkrankten Mutter auf ihr ungeborenes Kind in der Schwangerschaft.

Das Wichtigste in Kürze

Inkubationszeit: 14-21 Tage

Ansteckungszeitraum: 7 Tage vor Beginn des Ausschlags bis 7 Tage nach seinem Abklingen.

Durch die Erkrankung erworbene Immunität: lebenslang

Vorbeugen: Impfung im Rahmen der Masern-Mumps-Schutzimpfung (MMR) zwischen dem 11. und 14. Lebensmonat, eine zweite Impfung bis zum Ende des 2. Lebensjahres

Ursache der Röteln

Röteln werden durch das Rötelvirus aus der Familie der Togaviren verursacht. Das Virus gelangt über die Atemwege in den Körper. Zunächst vermehrt es sich in der Schleimhaut, um sich später über die Lymphbahnen im Körper auszubreiten. Das Rötelnvirus gelangt über das Blut bis in die Haut und die Gelenke des Infizierten. Ab circa sieben Tage nach der Ansteckung kann das Virus im Blut sowie im Sekret des Nasen-Rachen-Raums nachgewiesen werden.

Röteln Symptome - Kleinfleckiger Hautausschlag

Viele Rötelninfektionen werden nicht bemerkt, da bis zu 50 Prozent der Erkrankten keine Symptome zeigen. Die andere Hälfte der Betroffenen fällt circa sieben Tage nach der Infektion mit dem Rötelnvirus durch eine beidseitige Schwellung der Halslymphknoten, leichtes Fieber, Kopfschmerzen, Gliederschmerzen, Halsschmerzen und eine Bindehautentzündung auf. Wenige Tage später tritt in den meisten Fällen der typische Hautausschlag (Exanthem) auf. Er beginnt hinter den Ohren, ist rosa und kleinfleckig und breitet sich zügig über den gesamten Körper aus. Nach wenigen Tagen blasst der Ausschlag spontan wieder ab. 

Risiken und Komplikationen der Röteln

Bis zu 60 Prozent der Patientinnen, die im Jugendalter oder als junge Erwachsene von Röteln betroffen sind, leiden im Zusammenhang mit der Infektion an einer vorübergehenden Gelenkentzündung. Am häufigsten sind hier die Knie- und Fingergelenke betroffen. Das Symptom wird durch Einwanderung der Rötelnviren in das Gelenk und durch die Bekämpfung der Erreger vonseiten des Immunsystems ausgelöst. Nach wenigen Wochen beruhigt sich die Entzündung von selbst.

Weitere mögliche Komplikationen der Röteln sind:

      • Hauteinblutungen durch Mangel an Blutplättchen (Thrombozyten)
      • Eine Gehirnentzündung (Enzephalitis)
      • eine Entzündung des Herzens (Endokarditis)

Bei Schwangeren droht Fehlgeburt oder eine Rötelnembryopathie des Ungeborenen

In Deutschland wird pro Jahr eine geringe Anzahl an Rötelninfektionen bei Schwangeren diagnostiziert. Bis zu drei Prozent der Frauen im gebärfähigen Alter sind nicht immun gegen das Rötelnvirus, weil sie nicht geimpft wurden und auch nicht an Röteln erkrankt waren. Infiziert sich eine schwangere Frau im ersten Schwangerschaftsdrittel mit dem Rötelnvirus und gibt die Viren über den Mutterkuchen an den Fetus weiter, kann es zu einer Fehlgeburt oder zu einer sogenannten Rötelnembryopathie (Greggsyndrom) kommen. Kinder die an diesem Syndrom leiden, fallen zum Beispiel durch einen kleinen Kopf, Gedeihstörungen, Schwerhörigkeit, Augenerkrankungen, Herzfehler, eine Vergrößerung von Leber und Milz sowie durch eine ausgeprägte Gelbsucht im Neugeborenenalter auf. In den ersten acht bis zwölf Lebensmonaten sind die betroffenen Patienten hoch ansteckend.

Behandlung von Röteln

Röteln werden von einem Virus verursacht und können nicht direkt mit einem Medikament behandelt werden. Der natürliche Verlauf der Erkrankung kann aber durch fiebersenkende und schmerzlindernde Maßnahmen und Medikamente gemildert werden. Bettruhe und ausreichend Flüssigkeit helfen den Patienten, rasch wieder auf die Beine zu kommen. In der Schwangerschaft gibt es keine Möglichkeit, das ungeborene Kind vor der Erkrankung zu schützen oder zu behandeln.

Homöopathisch die Symptome von Röteln behandeln

Heilmittel aus der Natur und der Homöopathie können den Körper stärken und ihm helfen, das Rötelnvirus zu bekämpfen.

      • Hohes Fieber kann zum Beispiel mit Ferrum phosphoricum comp. Globuli behandelt werden.
      • Archangelica 10 % Salbe kann bei Lymphknotenschwellungen helfen.
      • Der Rückgang des Hautausschlags kann durch Eqisetum cum sulfure tostum D6 Trit. unterstützt werden.
      • Prunuseisen Globuli können bei verzögerten Verläufen eingesetzt werden.
      • Die Komplikation der Gelenkentzündung kann mit Stannum metallicum praeparatum 0,4 % Salbe gelindert werden.

Röteln vorbeugen

Der Impfkalender der Ständigen Impfkommission des Robert Koch-Instituts (STIKO) empfiehlt eine Impfung gegen Röteln als Kombinationsimpfung mit Masern und Mumps (MMR-Impfung). Die erste Impfung sollte im Alter von elf bis vierzehn Monaten erfolgen, die Auffrischung circa vier Wochen später. Bis zum Ende des zweiten Lebensjahres und vor Eintritt des Kindes in eine Gemeinschaftseinrichtung ist der Impfschutz optimalerweise komplett. Ist die Impfung im empfohlenen Zeitraum nicht erfolgt, empfiehlt das Robert Koch-Institut die Immunisierung für Frauen im gebärfähigen Alter und alle nach 1970 geborenen Personen. Besonders wichtig ist die Röteln-Impfung für Mitarbeiter in Gemeinschaftseinrichtungen mit Kontakt zu Säuglingen und Schwangeren. Besteht bei einer Frau ein Kinderwunsch, klärt der betreuende Frauenarzt den Impfstatus ab. Erhält die Frau eine Rötelnimpfung, sollte bis drei Monate nach Erhalt des Impfstoffes keine Schwangerschaft eintreten. Während einer bereits bestehenden Schwangerschaft darf nicht geimpft werden.

Impfkalender

Ringelröteln - Ähnliches Krankheitsbild aber anderes Virus

Ein den Röteln sehr ähnliches Krankheitsbild zeigen die Ringelröteln, auch als Erythema infectiosum oder Kinderrotlauf bezeichnet. Der Auslöser ist das Parvovirus-B19. Nach einem ersten Stadium mit grippeähnlichen Symptomen und einer beschwerdefreien Phase von circa einer Woche tritt der typische Hautausschlag im Gesicht auf. Die Wangen sind deutlich gerötet, während der Bereich um den Mund blass bleibt. Mediziner bezeichnen dieses Phänomen als "slapped cheek". In den folgenden Tagen breitet sich der Ausschlag girlandenförmig über den Oberkörper sowie Arme und Beine aus. Der Ausschlag kann über Wochen anhalten und sich unter der Einwirkung von UV-Strahlung und Wärme immer wieder verändern. Mögliche Komplikationen betreffen am ehesten Gehirn, Herz und Leber. Es gibt weder eine ursächliche Behandlung von Ringelröteln noch einen Impfstoff zur Vorbeugung.

Ringelröteln in der Schwangerschaft

Eine Infektion mit dem Parvovirus-B19 in der Schwangerschaft kann zu einer Fehlgeburt oder sehr selten zu einem sogenannten Hydrops fetalis führen. Hierbei sammelt sich Wasser in den Weichteilen und den Organen des ungeborenen Kindes an.

Quellen:

  • Christian Speer, Manfred Gahr, Pädiatrie, Springer Medizin Verlag Heidelberg, 2005
  • Schönau et.al., Pädiatrie integrativ, Konventionelle und komplementäre Therapie, Urban&Fischer München, 2005
  • Peter H. Höger, Kinderdermatologie : Differenzialdiagnostik und Therapie bei Kindern und Jugendlichen, Schattauer Verlag 2011
  • https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/R/Roeteln/Roeteln.html

Stand: 03.11.2016